„Wir nehmen uns der Menschen an, die unsere Hilfe benötigen.“

v.l.n.r.: Architekt Albert Kastner, Dekan Kilian Kemmer, Provinzial Frater Benedikt Hau, Geschäftsführer Günther Allinger

Es sei bei Weitem keine Bauwut, die bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf ausgebrochen sei, sagte deren Geschäftsführer Günther Allinger, bei der Grundsteinlegung für das neue Autismuszentrum auf dem östlichen Teil des großen Einrichtungsgeländes; erst vor einigen Wochen haben sie den Anbau an der Fachschule bezogen.

Es habe vielmehr etwas mit „unserer Haltung und unserer Einstellung zu den Mitmenschen“ zu tun. Ganz in der Tradition zum Ordensvater der Barmherzigen Brüder, dem heiligen Johannes von Gott, „nehmen wir uns der Frauen und Männer an, die unsere Hilfe benötigen“.

Für die Menschen im Autismusspektrum, die schon seit Jahren bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf betreut werden, wird jetzt ein spezielles Wohnzentrum für zwölf betroffene Frauen und Männer errichtet.

Einen finanziellen Anschub hat die Gremsdorfer Einrichtung bereits durch den gemeinnützigen Verein „Muschelkinder“ bekommen – und zwar in Form einer 100.000 Eurospende.

Wie die Fachdienstleiterin der Behinderteneinrichtung, Ute Häußer, erklärte, seien autistisch geprägte Menschen sensitiv durchaus schwer beeinträchtigt. Sie litten unter einer Reizüberflutung. Die Architektur des neuen Hauses reagiert auf das Spezifikum der künftigen Bewohner, zum Beispiel durch extra Rückzugsräume und zwei große Innenhöfe. Das 3,2 Millionen Euro teure Bauprojekt wird zwölf Einzelzimmer, aufgeteilt in zwei Wohngruppen, umfassen.

Menschen im Autismusspektrum hätten zudem einen ganz eigenen Forscherdrang, worauf „unsere Bauweise durch Beton, Holz und bruchsicheres Glas ausgerichtet ist“, erläuterte der Höchberger Architekt, Albert Kastner, den vielen anwesenden Gästen. Unter ihnen befanden sich auch der Landtagsabgeordnete Walter Nussel, die Bezirksrätin Dr. Ute Salzner, die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Beeinträchtigung des Bezirks Mittelfanken, Lydia Bauer-Hechler, und der Gremsdorfer Bürgermeister Norbert Walter.

Klar war es den Bauherren und dem Architekten auch, dass das Autismuszentrum einer besonderen Lage bedarf. „So bauen wir es am Rande der Behinderteneinrichtung mit dem freien Blick ins Grüne", sagte Albert Kastner.

Der Höchstadter Dekan Kilian Kemmer gab der Grundsteinlegung den kirchlichen Segen. Er bedankte sich bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf für ihre „aktive Seelsorge“. Auf dem Fundament Jesus Christus mögen nun die vielen Steine gesetzt werden, die, so Dekan Kemmer, durchaus auch „Steine des Anstoßes“ werden könnten. Nicht zuletzt die Fassade eines Hauses sei auch Ausdruck dessen, was sich dahinter befindet, sei ein äußeres Zeichen für das Innenleben.

Der oberste Vertreter der Barmherzigen Brüder in Bayern, Provinzial Frater Benedikt Hau, bedankte sich bei den Eltern der betroffenen Frauen und Männer, die ab dem Frühjahr 2021 ins Gremsdorfer Zentrum einziehen werden, für das Vertrauen, das sie in die Barmherzigen Brüder Gremsdorf gesetzt haben. „Wir werden unser Möglichstes tun, um für diese gehandicapten Menschen da zu sein.“ Sein ganz spezieller Wunsch sei, dass der Bau den Kosten- und Zeitrahmen nicht sprengen möge.

Und Provinzial Hau versenkte schließlich eine Kiste, gefüllt mit aktuellen Tageszeitungen, der Kirchenzeitung, Bauplänen, geltenden Geldmünzen sowie einer Medaille des heiligen Johannes von Gott, in ein provisorisch errichtetes Mauerwerk.

 

(Johannes Salomon)

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