Menschen mit Behinderung beraten Menschen mit Behinderung

Geschäftsführer Jürgen Ganzmann (2.v.r.) und Cornelia Basara (4.v.r.) stellen das neue Beratungsprojekt vor. Ute Häußer (1.v.l.).

Das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben e.V. (ZSL) Erlangen stellte bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf sein neues Projekt „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ vor.

Ute Häußer, Fachdienstleiterin bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf, äußerte in ihrer offiziellen Begrüßung ihre Freude darüber, dass es der Gremsdorfer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gelungen sei, eine enge Kooperation mit dem ZSL herzustellen. Und mit Hilfe des neuen Beratungsprojektes könnten künftig „kompetente Menschen, die selbst von einer Beeinträchtigung betroffen sind, Ratsuchenden kompetente Antworten geben“.

Gerade der niederschwellige Zugang mache es betroffenen Frauen und Männern leichter, ihre Probleme und wichtigen Lebensfragen vorzubringen. Mit dieser ganz speziellen Art von Beratung sei man nun auf einem sehr guten Weg, den Wunsch nach Inklusion wieder einen Schritt näher zu rücken, sagte Ute Häußer. Denn „wir wollen die volle Teilhabe in unserer Gesellschaft erreichen und damit auch die volle Gleichstellung“.

Auch der Geschäftsführer des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben, Jürgen Ganzmann, verwies darauf, dass „die Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderung gestärkt werden muss“. Und zwar ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen.

Als Beispiele für die Beratungstätigkeit nannte Ganzmann die Bereiche Gesundheit, Familie, Partnerschaft sowie Arbeit, aber auch Wohnen und Barrierefreiheit. Angesprochen würden neben den direkt Betroffenen auch deren soziales Umfeld.

Ganzmann sieht sich aber auch vor enormen Herausforderungen gestellt. Es gebe noch große bürokratische Hürden in der Gesetzgebung, und dies wirke sich natürlich auf die Umsetzung vor Ort aus. Und so lautete sein Appell an die anwesenden Politikerinnen und Politiker, Walter Nussel, Gisela Niclas und Ute Salzner, alles Mögliche zu tun, um den Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in allen Bereichen zu ermöglichen.

Gleichzeitig bedankte er sich aber auch dafür, dass das Pilotprojekt auf fünf Jahre hinaus vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziert wird. Besonders dankbar sei Ganzmann außerdem, dass die Barmherzigen Brüder Gremsdorf kostenlos barrierefreie Räume für die regelmäßig stattfindenden Beratungsstunden zur Verfügung stellen.

Die stellvertretende Projektleiterin, Cornelia Basara, selbst von Geburt an blind, sieht in der Beratung von Betroffenen für Betroffene die große Chance, „Menschen zu ermutigen, zu uns zu kommen, damit wir gemeinsam alle Möglichkeiten und Rechte ausschöpfen können“. Dabei stehe das Hilfsangebot unter der Devise „so viel Unterstützung wie nötig, so viel Selbstständigkeit wie möglich“.

Ab sofort finden montags von 11 bis 14 Uhr Beratungsstunden bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf statt. Diese richten sich natürlich auch an Angehörige, Freunde, gesetzliche Betreuer sowie Dienste und Organisationen, die Fragen zum Thema Behinderung haben.

Und, so die Diplompsychologin Cornelia Basara, als weitere Orte für die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung stehen bereits Fürth, Erlangen, Eckental-Eschenau und Herzogenaurach fest. Termine können unter 0911-18073680 vereinbart werden.

 

 

(Johannes Salomon)

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