Hinsehen statt wegsehen

Am 1. Juli jedes Jahres gedenkt die Hausgemeinschaft der Barmherzigen Brüder Gremsdorf der Menschen mit Behinderung, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus der Einrichtung verschleppt und umgebracht wurden.

„Jeder Tag ist ein besonderer Tag. Manchmal zum Freuen. Manchmal auch zum Nachdenken und Erinnern“, so die einleitenden Worte des Seelsorgers Peter Jankowetz im TV-übertragenen Gottesdienst in der Klosterkirche.

Zusammen mit Beate Drückler, Bereichsleiterin der Wohnangebote, erzählte er in der diesjährigen Gedenkfeier von ihrer gemeinsamen Exkursion nach Hartheim in Österreich, dem Ort, an den die Menschen mit Behinderung damals deportiert worden waren.

Dort wurde besonders greifbar, „was sich keiner vorstellen kann und vorstellen will“, so Drückler. Bis heute sei es unfassbar, wie viele Menschen damals gewusst hatten, was hinter den Mauern vor sich ging. Aber sie sahen weg.

Umso wichtiger ist das Erinnern, in den Blick nehmen, ins Herz schließen und vor allem das Handeln. Nicht zuletzt, um zu verhindern, dass so etwas jemals wieder denkbar sei, oder gar geschehen könne.

Wir Menschen seien es, an denen es liegt, aus der Welt einen Lebensraum für alle zu machen, so Jankowetz‘ eindringliche Worte. „Unabhängig von Geschlecht oder Alter, Hautfarbe oder Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Bildungstand oder Leistungsfähigkeit, körperlicher oder geistiger Gesundheit.“ Allen Wesen dieser Erde den gleichen Wert beizumessen, sie für ihr Dasein zu würdigen, dabei könne Gott unser Vorbild sein.

Diese Hoffnung bekräftigte auch das Lied „Bridge over troubled water“ von Simon and Garfunkel, in dem es sinngemäß heißt: „Ich bin an deiner Seite, auch in stürmischen Zeiten.“

 

(Anna Krug)

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