Das Kind, das uns bezaubern kann

Dicht gedrängt, wie in den vielen Jahren vorher, saßen die Besucher der Christmette bei den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf 2020 wahrlich nicht.

Konnten früher gar nicht genügend Stühle ins Forum gestellt werden, um allen Menschen einen Platz anzubieten, so waren es im vergangenen Jahr, bedingt durch Covid-19, lediglich 14 Christen, die am 24. Dezember um 14 Uhr den Gottesdienst zu Ehren der Geburt Christi besuchen durften. Der Großteil der Hausgemeinschaft konnte die Mette aus der Klosterkirche an den Fernsehgeräten in den Wohngruppen mitverfolgen.

Der Kirchengemeinde war es zwar untersagt zu singen, dafür konnten die drei Mitarbeiterinnen Jutta Brandner, Anna Krug und Christa Tottmann, begleitet von Irina Konjaev an der Orgel, das Gotteshaus mit weihnachtlichen Klängen erfüllen.

 „Wir erleben Weihnachten, wie wir es noch nie vorher so getan haben“, konstatierte Seelsorger Peter Jankowetz, um jedoch gleichzeitig die tröstenden Worte zu finden: „Es kann ja nur besser werden.“ Das Großartige, das wir am Weihnachtstag feiern dürfen, sei, dass Gott Mensch geworden ist, so Jankowetz. Die Folgen davon seien unter anderem, dass es von nun an einen Retter für die Menschen gebe, der uns nach Gottes Ermessen ebenbürtig ist. Er habe uns offenbart, dass jeder so sein dürfe, wie er nun mal ist, weil jeder Mensch liebeswert sei. Nach den Worten des Lukas-Evangeliums liegt die wahre Weihnachtsfreude darin, dass Gott Frieden für alle Menschen bringt und allen seine Liebe schenkt.

In einem Gleichnis erklärte Pastoralreferent Peter Jankowetz die doch sehr „märchenhafte“ Weihnachtsgeschichte. So seien auch alle Tiere der Erde zu dem neugeborenen Christuskind gekommen, die kleinsten, unbeliebtesten und gefährlichsten wie auch die größten, stärksten und vornehmsten. Ob die Schlange, der Hund, der Elefant, die Giraffe oder auch der Löwe, keiner würde nach seinem Gottesbesuch ein anderer werden. Aber, so die Botschaft des Seelsorgers, jedes Tier verlasse das Christuskind in einer anderen Gemütslage. „Stiller als vorher, voller Dank, zufriedener und würdevoller. Weil es Gott als Mensch sehen durfte.“

Die Aussage dieses Gleichnisses sei im Grunde eigentlich ganz einfach, erklärte er. „Es ist das Kind in der Krippe, das dich und mich bezaubern kann.“ Dieses schenke uns einen Augenblick des Friedens, auch und gerade in einer gar nicht märchenhaften Zeit.

Dann, wenn Angst, Ungewissheit, Wortlosigkeit, Überlastung, Versagen oder auch generelle Ablehnung herrsche, verheiße Gott an seinem Geburtstag: „Ich bin nun da.“

Unter anderem in englischer, französischer, indischer, russischer und auch deutscher Sprache wünschten die wenigen Gottesdienstbesucher allen zuhörenden und zuschauenden Menschen in den Wohngruppen: „Frohe Weihnachten“.

 

(Anna Krug)

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